Vortragbericht: Nord-Ostsee-Kanal als Großbaustelle

 

Nautischer Verein: Vortrag über die Erneuerung einer komplexen Infrastruktur

 

Wilhelmshaven/RB - Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) von der Elbmündung bis zur Kieler Förde ist eine der meistbefahrenen Wasserwege der Welt. Wirtschaftlich ist er für die Schifffahrt sehr wichtig, denn die Kanalpassage von der Nordsee zur Ostsee spart im Vergleich zur Route rund Skagen ca. 250 Seemeilen (460 km) ein.

 

Deshalb ist die Gewährleistung seines effektiven Betriebes eine zentrale Aufgabe der Schifffahrtsverwaltung, die besonders bei den reparaturanfälligen Schleusen die Behörde vor große Herausforderungen stellt. Der Leiter des zuständigen Fachbereiches Investitionen am NOK Dipl.-Ing. Sönke Meesenburg sprach über die "Großbaustelle" jetzt im Nautischen Verein.

 

Denn die Sanierung betrifft nicht allein die in die Jahre gekommenen Schleusen in Brunsbüttel und Kiel-Holtenau, sondern auch die querenden Brücken und Tunnel sowie die Begradigung der Kanalstrecke. Meesenburg beklagte einen Investitionsstau seit 1990, da bei der Wiedervereinigung notwendige Mittel in den Osten umgelenkt worden seien.

 

Fast ein Drittel der Sanierungskosten fließen in die Schleusenprojekte an der Elbe. So wird neben die vorhandenen 4 Schleusen eine fünfte große Schleuse neu durch die dortige Schleuseninsel gebaut mit den Abmessungen einer Länge von 330 m, einer Breite von 44 m und einer Drempeltiefe von 14 m. Es ist beachtlich, wie lange die alten Schleusen seit der Eröffnung des 98,26 km langen Kanals durch Kaiser Wilhelm II. 1895 überhaupt der über hundertjährigen Beanspruchung gewachsen waren.

 

Schon in der Kaiserzeit war es von 1907 bis 1914 zu einer umfassenden Sanierung gekommen mit einer  Verbreiterung und einer Vertiefung der Sohle auf 11 Meter, deren Tiefe  heute noch gilt. Es müssen aber auch die historischen Brückenbauwerke erneuert bzw. ersetzt werden, was beispielsweise die berühmte Levensauer Hochbrücke westlich Kiel betrifft, die durch eine an die frühere Bogenform angelehnte Brückenkonstruktion abgelöst wird, allerdings beim südlichen Widerlager das alte Ziegelsteingewölbe als Quartier für Fledermäuse unangetastet lassen muss.

 

Die Gesamtkosten der bis etwa 2024 laufenden Maßnahmen der Großbaustelle werden mit etwa 1,8 Mrd. € beziffert  - eine hohe Summe, die jedoch die dringend notwendige Ertüchtigung der Infrastruktur finanziert für den Wirtschaftsstandort Deutschland und den internationalen Schiffsverkehr.

Aktuelles


am 28.02.2019 um 20:00Uhr.

findet am 08. November im Hotel Atlantic statt.

Nord-Ostsee-Kanal als Großbaustelle